Schon seit der Erfindung des
Buchdrucks waren Kochbücher sofort in Mode und wohl auch kein schlechtes
Geschäft. Ob das Regensburger Kochbuch der Frau Schandri, später ein
Rottendorfer, dann eine Henriette Davidis, das waren stets mehr Auflage als all
die Klassiker deutscher Dichtung.
Was heute an Rezepturen zwischen zwei
Deckel gepreßt wird, kann keiner mehr verdauen. Wir Deutschen ein Volk der
Köche und Dichter, scheint es ob der Flut, die über den kritischen
Gourmet hereinschwappt. Wurden früher altbewährte Rezepte noch verschämt
abgekupfert, umgeschrieben und neu betitelt, bis ein Nachkochen zur garantierten
Katastrophe geriet, ist man inzwischen richtig ungeniert. Ganz wie im
alltäglichen Medienleben. Was bekannt ist, ist gut. Das immer wieder Gehörte,
Gesehene, Gedruckte will die Welt immer wieder, nur keiner braucht es. Fünftausendmal
Spaghetti Carbonara und keinem fällt es auf. Weil Sophia Loren die Pasta
jetzt ganz anders kocht. Dario Fo und Franca Rame zum Trotz, es landen auch
solche Stars am Herd. Was sollte sie in ihrem Alter anderes tun. Lesen
vielleicht.
Als in der Generation meiner Mutter noch die Mehrheit der
Frauen einigermaßen bis richtig gut kochen konnte, gab es das Dr.
Oetker-Kochbuch und ein paar Kladden von Oma oder Uroma. Der Sonntagsbraten
geriet genießbar. Heute, im Zeitalter von Fastfood, Fertiggerichten, wo
man schnell zum Italiener um die Ecke essen geht, wird der Hobbykoch von Bergen
angeblicher Kochanleitungen schier erdrückt. Also gilt der Schluß: je
mehr die Fähigkeit zum Kochen verloren geht, um so mehr Kochbücher
werden gedruckt.
Oder sind das alles Magersüchtige oder Bulämiker,
die, statt zu essen, Kochbücher sammeln. Richtig fällt in dieser
Saison auf, wie schamlos jeder, der sein Gesicht oder andere Körperteile
ins rechte Medienlicht hält, sich als Kochbuchautor berufen fühlt.
Manchem mag man zu Gute halten, daß er vom gierigen Verleger überredet
wird. Mal ehrlich, ein Biolek-Kochbuch hat gereicht. Sowohl für Biolek und
den Verlag. Daß Verona Feldbusch, nur scheinbar naiv, in der Werbung
Spinat auftaut und beim zwanzigsten Take kapiert hat, wie das funktioniert, mag
geniale Werbung sein. Mit ihr ein Kochbuch aufzulegen ist geschmacklos. Aber daß
Geschmacklosigkeit der Inhalt eines Kochbuchs sein kann, demonstriert uns
Wolfgang Joop. Dann schon lieber ein Daisy-Kochbuch von Herrn Moshammer.
Sensationell und hyperfancy gestylte Kacke wird im neuen Kleid nicht besser. Das
sollten sich gerade sogenannte Style- und Mode-Gurus ins Gebetbuch
schreiben. Es muß ja nicht jedem gleich beim Anblick eines telefonierenden
Herrn Joop, Ketchup auf einen undefinierbaren Mampf tropfend, der Appetit
vergehen, aber mal ehrlich, wer möchte zu Herrn Joops hecktischen Freunden
in Potsdam, New York, Hamburg oder Monte Carlo gehören und wirklich von ihm
mit solchem Schlamm bekocht werden. Sado-Masochisten vielleicht. Soljanka in
Potsdam meinetwegen, aber bitte baut die Mauer vorher wieder auf. Dann können
meinetwegen soviel hektische Kochakte vollzogen und hektisch Rezepte geschrieben
werden. Wenn mir solche Kochbücher in die Hände fallen, verstehe ich
den Orang-Utan, der laut Spiegel erstmals mit uns redete, und seiner Trainerin
mitteilte, bitte kauf mir einen Hamburger.
PS. Lieber Herr Joop, zum
Essen wie zum Kochen gehören Liebe, Ruhe und Passion. Hektisch schlingt
mein Hund. Das Beste vom Stern habe ich bisher geschätzt. Wird da keiner
rot ? |